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Thomas Mickeleit, Director Communications bei Microsoft.
Thomas Mickeleit, Director Communications bei Microsoft.

Mickeleit über Social Media: "Journalisten haben Monopol verloren"

veröffentlicht am 20.11.2009 um 15:12 Uhr · Digital · Artikel

Einweg-Kommunikation funktioniert heute nur noch bedingt. Unternehmen, die auf Social-Media-Plattformen schweigen, geben die Kontrolle ganz aus der Hand. Dagegen könnten Sie vom Dialog profitieren. Das bekräftigt auch Thomas Mickeleit, Director of Communications bei Microsoft im Interview mit Werben & Verkaufen.

W&V Das Feld Social Media ist groß – wer muss in einem Unternehmen die Verantwortung übernehmen?
Mickeleit Alle Bereiche. Schon die Abgrenzung zwischen Marketing und PR wird unscharf. Insofern ist eine enge Abstimmung zwingend erforderlich. Bei Microsoft gibt es – im positiven Sinn – ein buntes Nebeneinander. Allein die Zahl der beruflich motivierten Blogs von Mitarbeitern liegt bei etwa 5000. Daran sehen Sie, Social Media ist keine Frage von Marketing oder PR.

W&V Aus Sicht eines Kommunikationschefs muss das beängstigend sein.
Mickeleit Wer sich in Social-Media-Angeboten engagiert, stimmt unweigerlich einem weitgehenden Kontrollverlust zu. Mitarbeiter können sie bedingt beeinflussen, Konsumenten machen dagegen, was sie wollen. Es lässt sich nicht bestimmen, was mit Ihren Informa­tionen oder Ihrer Marke passiert. Aber die Option, Social-Media-Sites außen vor zu
lassen, existiert nicht. Sie können bestenfalls festlegen, wie sehr Sie sich engagieren.

W&V Aus PR-Perspektive stellen die neuen Kanäle ebenfalls ein wichtiges Instrument dar.
Mickeleit Social-Media-Tools gehören unbestritten fest zum Kommunikationsmix. Zum Launch von Windows 7 gab es beispielsweise mit Microsoft-Geschäftsführer Achim Berg ein Interview via Twitter mit Stern.de. Facebook nutzen wir als Kommunikationsplattform für unsere Gründerinitiative. Aber trotz aller Erfahrung, wir sind noch stark am Experimentieren.

W&V Was sind die Erfolgsfaktoren, um sich als Unternehmen in diesem Feld zu bewegen?
Mickeleit Die Spielregeln der Communities sind unbedingt einzuhalten. Plattes Marketing funktioniert nicht, und jede Kommunikation muss für die Zielgruppe Mehrwert liefern.

W&V Spielen Einträge in Blogs, in Foren und Twitter-Meldungen für Sie die gleiche Rolle wie Berichte in etablierten Medien?
Mickeleit Aus Unternehmenssicht ist die Verbreitung von Informationen über Medien nur ein Kanal. Blogs, Communities wie Flickr oder Facebook stellen weitere Kanäle dar. Journalisten haben durch die neue Vielfalt ihr Monopol als Multiplikatoren verloren. Sie behalten zwar weiter eine wichtige Rolle als Gatekeeper, künftig aber neben anderen Meinungsmachern.

W&V Lässt sich die Bedeutung einzelner Kanäle angesichts der Vielfalt bestimmen?
Mickeleit Relevanz hat mit der Qualität zu tun, mit der Reichweite und mit dem Grad der Verlinkung. Das können Sie messen. Aber steckt jemand dahinter, der das professionell betreibt, oder ein sporadischer Feierabend-Blogger? Das lässt sich nicht rein über Zahlen qualifizieren, damit muss sich jemand intensiv beschäftigen.

W&V Twitter und Blogs verbreiten Themen sehr schnell. Können Sie noch mithalten?
Mickeleit Heute werden wir nur noch selten überrascht. Wenn jemand über einen relevanten Kanal etwa über Windows 7 wettert, weiß ich das fünf Minuten später. Im Zweifelsfall müssen Sie sofort reagieren. Aber das Aufrüsten findet auf beiden Seiten statt. Per Windows Phone werde ich automatisch immer und überall informiert.

W&V Sind die Auswirkungen von negativer On- und Offline-PR identisch?
Mickeleit Aus Sicht des Issue-Managements hat sich der Mechanismus nicht verändert. Erst wenn sich ein Thema in den großen klassischen Medien wiederfindet, hat sich die Gefahr realisiert. Schafft es ein Issue nicht in die Offline-Welt, müssen wir in der Regel auch nicht groß reagieren. Das Problem: Die möglichen Konsequenzen gilt es inzwischen sofort einzuschätzen.

Mehr zum Thema Social Media und die "Spielregeln im sozialen Netz" lesen Sie in der aktuellen Werben & Verkaufen (EVT 19.11.2009). Die Serie wird in den nächsten Ausgaben fortgesetzt.

Filed under: Soziale Netzwerke

wkueting says...

Kolumne - Generation Twitter - Wohin gehst du?

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von Ruth Schilling | Veröffentlicht am 11.11.2009 | Letzte Änderung am 11.11.2009. Rubriken: , | 27 Kommentare

Langsam ist es soweit: Die Generation Twitter drängt in den Job. Junge Leute, die nicht wissen, dass Twix mal Raider hieß, die sich angesichts  eines Wahlscheibentelefons ratlos am Kopf kratzen: „Wie schickt man damit 'ne SMS? Und was soll das Kabel da dran?“ und die natürlich auch das geteilte Deutschland nur noch aus Erzählungen, nicht mehr aus eigener wie auch immer gearteter Anschauung kennen.

Ich entdecke eine Vielzahl von Parallelen in dem Artikel. Mit fast 40 kommt man sich in Bezug auf Social Networking manchmal "alt" vor.
Dabei geht es nicht mal um das technische Verständnis, vielmehr um die Bewegründe die zu diversen Diensten führen.

Filed under: Soziale Netzwerke

Beliebtestes Netzwerk sind die VZ-Seiten mit StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ. Im dritten Quartal nutzten 14,6 Millionen Menschen in Deutschland im Monatsdurchschnitt diese Seiten. Auf Platz 2 rangiert mit 6,2 Millionen aktiven Nutzern das zur RTL-Gruppe gehörende Angebot Wer-kennt-wen.de. Erstmals unter die drei größten sozialen Netzwerke in Deutschland schafft es Facebook. Im dritten Quartal dieses Jahres verzeichnete Facebook 5,6 Millionen Nutzer. Das sind dreimal mehr als noch vor einem Jahr. Stark zulegen konnte auch das ursprünglich nur für geschäftliche Kontakte verwendete Netzwerk Xing. Binnen Jahresfrist verdoppelte sich die Nutzerzahl annähernd auf fast 2 Millionen. Der größte Sprung allerdings gelang Twitter: In nur einem Jahr ging es von 72.000 auf 1,8 Millionen Nutzer nach oben. Das ist eine Steigerung um den Faktor 25. Damit landet Twitter auf Platz 10 der meistgenutzten Sozialen Netzwerke in Deutschland.

 

Filed under: Soziale Netzwerke

Social Networks: Nutzer wollen einfachere Lösungen


Frust bei den Nutzern sozialer Netzwerke. Sie wollen einfachere Lösungen und plattformübergreifende Dienste. Zu diesem Ergebnis kommt eine europäischen Studie von Vanson Bourne im Auftrag von Critical Path.

 Von den 3.000 befragten Nutzern empfinden 75 Prozent das Aktualisieren ihrer Kontakte auf ihren genutzten Social Network-Plattformen als frustrierend. 82 Prozent wünschen eine Lösung, die ihre gesamten Adressbücher untereinander synchronisiert. 78 Prozent wollen ganz allgemein eine einfach zu nutzende Lösung.

 Die Studie stellt außerdem heraus, dass sich die Mehrheit der Befragten eine automatische Aktualisierung der Kontaktdaten ihrer „Freunde“ in den verschiedenen Netzwerken wünscht, sobald sich diese ändern. Das Studienergebnis kommt Critical Path als Anbieter von Messaging Applications durchaus gelegen.

 Die Untersuchung wurde von Vanson Bourne im August 2009 durchgeführt. Die Studie wurde in sechs europäischen Ländern (Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Schweiz und Schweden) durchgeführt. Insgesamt wurden 3.000 Konsumenten im Alter ab 16 Jahren befragt. ork

 

Filed under: Soziale Netzwerke

BAW says...

Soziale Netzwerke und ihre Nutzer

Mittwoch, 19. August 2009 17:00

Die sozialen Netzwerke des Landes bleiben in der Hand der Frauen. Bei allen großen Netzwerken sind Frauen leicht in der Mehrheit – die Ausnahme bildet weiter MySpace.de (www.myspace.de). Zuletzt hatten die Männer auch bei den Lokalisten (www.lokalisten.de) das Kommando übernommen – bei der aktuellen Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) haben die Frauen aber zurückgeschlagen und erneut die Macht übernommen. Erwartungsgemäß verfügt schülerVZ (www.schuelervz.net) über den höchsten Anteil an Nutzern zwischen 14 und 19 Jahren. Gleichzeitig steigt beim Schüler-Netzwerk der Anteil der 40 bis 49 Jährigen immer weiter an. Offenbar wollen immer mehr Eltern und Lehrer wissen, was ihre Kinder bzw. Schüler im Netz so treiben.

Bei den über 50-Jährigen legt das Schulfreunde-Netzwerk Stayfriends (www.stayfriends.de) weiter zu. Inzwischen sind 20,4 % der Nutzer jenseits der 50. Im vergangenen Quartal waren es noch 18,4 %. Das Studenten-Netzwerk studiVZ (www.studivz.net) spricht weiter mehr 14- bis 19-Jährige (17,1 %) an als sein Ableger meinVZ (www.meinvz.net), der in dieser Altergruppe auf 13,7 % kommt. Das Jederman-Netzwerk ist dagegen weiter deutlich besser in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre (19,4 %) vertreten als studiVZ (11,5 %). Bei den beiden VZ-Geschwistern lohnt sich ein Blick auf den Bildungsgrad der Nutzer: 24,1 % der meinVZ-Nutzer haben keinen Schulabschuss oder einen Hauptschulabschluss. Bei studiVZ sind es nur 19,8 %. Die mittlere Reife haben 41,9 % der studiVZ-Nutzer aber 52,6 % der meinVZ-User. Ein Spitzenwert unter den sozialen Netzwerken des Landes. Spitzenreiter in der Bildungsrubrik “kein oder Hauptschulabschluss” ist weiter der RTL-Ableger wer-kennt-wen.de (www.wer-kennt-wen.de) mit 39,4 %.

Strukturdaten ausgesuchter Social Networks (Geschlecht / Alter) *

Männer Frauen 14-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60+
Lokalisten 48,9 51,1 17,4 33,1 21,3 17,5 7,8 2,9
meinVZ 47,6 52,4 13,7 52,6 19,4 9,1 4,3 0,8
MySpace.de 52,2 47,8 23,2 31,1 18,7 16,6 7,1 3,3
schülerVZ 48,2 51,8 56,6 15,7 7,5 14,7 3,9 1,7
StayFriends 46,0 54,0 4,8 17,4 29,5 27,8 12,5 7,9
studiVZ 47,8 52,2 17,1 56,2 11,5 7,7 6,1 1,3
wer-kennt-wen 45,9 54,1 11,1 23,9 24,8 25,2 10,7 4,2

Strukturdaten ausgesuchter Social Networks (Bildung) *

kein oder Hauptschulabschluss Mittlere Reife Hochschulreife
Lokalisten 37,1 40,9 22,0
meinVZ 24,1 52,6 23,3
MySpace.de 28,7 43,3 28,0
schülerVZ 37,9 49,0 13,1
StayFriends 29,2 43,3 27,5
studiVZ 19,8 41,9 38,4
wer-kennt-wen 39,4 40,6 20,0

Strukturdaten ausgesuchter Social Networks (Tätigkeit) *

in Ausbildung berufstätig nicht/nicht
mehr berufstätig
Lokalisten 23,9 64,6 11,5
meinVZ 23,2 67,9 8,9
MySpace.de 32,8 55,8 11,5
schülerVZ 59,7 29,6 10,6
StayFriends 8,5 74,7 16,8
studiVZ 41,7 49,5 8,8
wer-kennt-wen 15,4 70,3 14,2

* Quelle: AGOF (internet facts 2009-I), alle Angaben in Prozent

Eine schöne Übersicht von deutsche startups zur Reichweite von sozialen Netzwerken und ihren Nutzern

Filed under: soziale netzwerke

Guido Berger says...

Ich frage mich, warum die Feuilletonisten eigentlich solche Angst vor Twitter haben.

Twitter boomt gerade gewaltig - je nach Schätzung zwischen 6 und 8 Millionen Benutzer, eine Zahl, die sich in den letzten zwei Monaten verdoppelt hat. Während die Blogosphere einen weiteren Erfolg eines Web-2.0-Projektes feiert, die Einfachheit der Anwendung lobt oder von den Möglichkeiten schwärmt, zeigen sich die alten Medien einmal mehr verwirrt, verständnislos und teilweise offen feindselig.

Ein Beispiel dieser Ablehnung: die Fragen, die Spiegel Online dem Gründer von Twitter, Evan Williams, stellt:

"Befeuert Twitter Narzissmus und Dummheit?"
"Das meiste, was auf Twitter kursiert, ist belangloses Geschnatter von zweifelhaftem Erkenntniswert."
"Sie [...] haben bislang überhaupt kein funktionierendes Geschäftsmodell [...]. Das kommt vor dem Hintergrund einer kollabierenden Weltwirtschaft schon etwas dekadent daher."
Usw.usf., mehr davon hier: Macht twittern dumm, Herr Williams? (Spiegel Online)

Da gefällt sich jemand aber sehr in der Hard-Hitting-Investigating-Journalist-Pose. Immerhin hat Williams die Gelegenheit zu kontern:

"Es ist mir ein Rätsel, warum von jedem neuen Medium verlangt wird, dass es uns plötzlich in Wesen verwandelt, die nur noch Weisheiten absondern. [...] Außerdem: Wer sagt denn, dass belangloses Geschnatter wertlos ist? Es ist immerhin ein menschliches Grundbedürfnis, die eigenen Gedanken mit anderen zu teilen - und für die sind meine Gedanken gar nicht belanglos, weil ein persönliches Interesse besteht."

Das entlarvt den Feuilletonisten. Er hat den Anspruch, ein grosses Publikum zu erreichen, und rechtfertig das, indem er glaubt, dass jeder von ihm abgesonderte Satz vor Relevanz nur so strotzt. Auf Twitter erreichen einzelne ein vergleichbar grosses Publikum - da muss der Futterneid durchbrechen.

Hach, welche Ironie! Die echten Journalisten halten sich offenbar für etwas besseres - verfehlen es aber gerade in ihren Twitter-Bashings, diesem Anspruch gerecht zu werden. Warum anständig recherchieren, wenn man stattdessen ein, zwei Stunden auf search.twitter.com rumhängen kann und sich die blödesten Meldungen in seinen Moleskine notieren kann? Wenn sich die Eigenheiten und Subtilitäten bis dann noch nicht eröffnet haben, ist natürlich das Medium schuld! 

Klar, sich über ungelenke Posts von Politikern lustig zu machen, das schreibt sich locker-luftig. Über ein neues Medium nachzudenken, fällt offenbar schwer:

"Wenn ich wollte, könnte ich ununterbrochen [...] Menschen, die ich kaum kenne, inhaltsarme Minitexte senden. Ich brauche aber hin und wieder Zeit zum Nachdenken, ich lese auch ganz gerne mal einen längeren Text. Dazu muss ich mich konzentrieren, ich ka nn nicht gleichzeitig simsen.

Das ist richtig, Herr Martenstein, das könnten Sie. Wenn Sie denn wollten, könnten Sie aber durchaus auch nachdenken und gehaltvolle Diskussionen führen auf Twitter, mit Menschen die Sie kennen oder noch kennenlernen. Leider haben Sie sich dafür entschieden, nicht nachzudenken, und das statt an Twitter an Die Zeit zu senden. Dort wird es veröffentlich, weil es so cool ist, wenn sich ein Journalist "gegen den Mainstream stemmt" und über etwas schreibt, worüber alle schreiben und es irgendwie doof findet, weil es alle Kollegen irgendwie doof finden.

Diesen reflexartigen Zuckungen dürfen wir nun offenbar jedes Mal zusehen, wenn sich diese Interwebs wieder etwas neues ausdenken. Blogs, Second Life, Facebook  waren schon dran, jetzt darf Twitter den Kulturpessimismus befeuern.

P.S.
Ich erinnere gerne an die Titanic, die den Second-Life-Medien-Hype vor zwei Jahren so kommentiert hat:
Die zur Recherche verknurrten Journalisten stehen sich gegenseitig auf die Füsse und wundern sich, dass sie nicht verstehen, was da abgeht.

Filed under: Soziale Netzwerke

Guido Berger says...

Gestern hat Facebook ihr Versprechen nach dem Kerfuffle eingelöst: ein Vorschlag der neuen Nutzungsbedingungen wurde veröffentlich und zur Diskussion gestellt.

Die neuen "Principles":
Read the proposed Facebook Principles here

Die zwei Diskussion-Gruppen:
Facebook Town Hall: Proposed Facebook Principles
Facebook Town Hall: Proposed Statement of Rights & Responsibilities

Und Zucki im Facebook-Blog:
Governing the Facebook Service in an Open and Transparent Way


Besonders wichtig scheinen mir diese Punkte:

"2. Ownership and Control of Information
People should own their information. They should have the freedom to share it with anyone they want and take it with them anywhere they want, including removing it from the Facebook Service. People should have the freedom to decide with whom they will share their information, and to set privacy controls to protect those choices. Those controls, however, are not capable of limiting how those who have received information may use it, particularly outside the Facebook Service. 
[...]
6. Open Platforms and Standards
People should have programmatic interfaces for sharing and accessing the information available to them. The specifications for these interfaces should be published and made available and accessible to everyone.
[...]
9. Transparent Process 
Facebook should publicly make available information about its purpose, plans, policies, and operations. Facebook should have a town hall process of notice and comment and a system of voting to encourage input and discourse on amendments to these Principles or to the Rights and Responsibilities. 
10. One World
The Facebook Service should transcend geographic and national boundaries and be available to everyone in the world.
"

Das ist nun die versprochene klare Sprache und die klare Aussage: Die Kontrolle über die eigenen Daten liegt bei den Usern, nicht bei Facebook. Das wurde gefordert und wird von Facebook erfüllt.

Gleichzeitig verspricht man offene Standards für die hinterlegten Daten. Das ist bedeutend, weil es ermöglichen wird, die bei Facebook aufgebaute Identität auf andere Plattformen zu übertragen oder mit diesen zu verbinden. Damit wird verhindert, dass man Facebook nicht mehr verlassen kann, weil man so die virtuelle Existenz löschen würde und neu aufbauen müsste.

Am aufregendsten ist aber, dass mit diesen Principles gewissermassen die Basis-Demokratie eingeführt wird, jedenfalls was die grundlegenden Nutzungsbestimmungen betrifft. Damit wird nun in Facebook das vollzogen, was zu erwarten war: die Nutzer "importieren" ihre Erwartungen und Gewohnheiten bezüglich Recht und Mitsprache in die virtuelle Welt; ein Unternehmen, das auf das Vertrauen dieser Nutzer angewiesen ist, muss diesen Erwartungen gerecht werden.

Dass dieser Prozess unter viel Getöse ins Rollen kam, ist schade, ändert aber am Resultat nichts. Wir erleben hier den ersten ernsthaften Versuch, vom autokratischen "Wenn es euch nicht passt, könnt ihr woanders hin"-Modell wegzukommen und echte Lösungen für komplexe Datenschutz-Fragen zu finden.

Um nicht nur eitel Freude zu verbreiten: offen bleibt die Frage, wie bindend diese Vereinbarungen zwischen Facebook und den Benutzern wirklich sind. Ein nationales Gesetz z.B. könnte die Facebook-Betreiber zur Herausgabe zwingen. Das Unternehmen könnte verkauft werden, neue Besitzer andere Regeln einführen. Das sind denkbare Szenarien, die mit den neuen Principles nicht verhindert werden. Trotzdem: hier wird Pionierarbeit geleistet, und das soll man respektieren.

Filed under: Soziale Netzwerke

Guido Berger says...

Facebook hat vor einigen Wochen ihre Terms of Service (TOS) geändert. Laut Facebook wollte man vor allem die TOS verständlicher formulieren, und nicht etwa die TOS faktisch verändern. Kommuniziert hat man diese Änderung nicht.

Das stellte sich als Fehler heraus: irgendwann realisierte jemand, dass sich die TOS geändert haben und machte das publik. Plötzlich begannen sehr viele Leute, die TOS zu lesen und in alle beliebigen Richtungen zu interpretieren. Im wesentlichen geht es darum, dass Facebook das Recht hat, Daten der Nutzer weiterzugeben. Das war vorher schon so. Trotzdem begannen einige, Panik zu schieben.


Diese Panik wurde gestern von den Massenmedien und den Datenschutzbeauftragten aufgenommen und verstärkt. Weil es im Moment opportun ist, Facebook in einer Schlagzeile zu haben und sich lauthals für den Datenschutz einzusetzen. Die Kommentare sind geprägt von Überreaktion und Unwissen.

Zuckerberg hat das Problem gestern so erklärt:

"Our philosophy is that people own their information and control who they share it with. When a person shares information on Facebook, they first need to grant Facebook a license to use that information so that we can show it to the other people they've asked us to share it with. Without this license, we couldn't help people share that information. [...] People want full ownership and control of their information so they can turn off access to it at any time. At the same time, people also want to be able to bring the information others have shared with them [...] to other services and grant those services access to those people's information. These two positions are at odds with each other." Facebook Blog, On Facebook, People Own and Control Their Information

Damit Facebook den Dienst überhaupt möglich machen kann, müssen sie das Recht haben, Daten vom Nutzer weiterzugeben (z.B. an andere Nutzer). Die Frage ist nicht, ob sie dieses Recht haben sollen - wenn sie es nicht kriegen, funktioniert der Dienst gar nicht. Sondern wie sie das erhaltene Recht nutzen, also wem sie unter welchen Bedingungen welche Daten weitergeben.

Diese differenzierte Sichtweise habe ich nirgends gelesen, die Problematik ist offenbar vielen zu komplex. Das ist enttäuschend. Mein Kommentar zu Google Latitude lässt sich copypasten: 

"Datenschutz ist ein Deal. Ich gebe gewisse Daten von mir preis und erhalte dafür etwas (andere Daten, Funktionalität). Um auf einen solchen Deal eingehen zu können, muss ich über das System Bescheid wissen, und für mich persönlich entscheiden, ob der Deal aufgeht. Unbestritten ist bei einem solchen Handel immer Vertrauen im Spiel. [...] Es ist deshalb legitim, mit Nachdruck präzise und ausführliche Information und Transparenz zu fordern. Diffuse Angst ist aber nie ein guter Ratgeber."

Heute hat Zuckerberg nun angekündigt, dass die geänderten TOS rückgängig gemacht und die alten wiederhergestellt werden. Er schreibt:

"Based on this feedback, we have decided to return to our previous terms of use while we resolve the issues that people have raised. [...] Our next version will be a substantial revision from where we are now. It will reflect the principles I described yesterday around how people share and control their information, and it will be written clearly in language everyone can understand. Since this will be the governing document that we'll all live by, Facebook users will have a lot of input in crafting these terms. You have my commitment that we'll do all of these things, but in order to do them right it will take a little bit of time." Facebook Blog, Update on Terms


Dieses Zurückrudern wird von den Panikmachern ohne Zweifel als Erfolg gewertet werden - was ihre Ahnungslosigkeit erneut beweist: Sind doch nun wieder die gleichen TOS aktiv wie früher, mit den gleichen weitreichenden Rechten von Facebook und noch dazu in unverständlicher Sprache.

Natürlich ist der Post von Zuckerberg in Watte gepackte Corporate-Speak eines Unternehmers, der auf das Vertrauen seiner Nutzer angewiesen ist. Es bestätigt aber auch eine Prognose, die ich an anderer Stelle schon gemacht habe: Nutzer erwarten, dass sie gewohnte politische/rechtliche Strukturen auch in der virtuellen Welt wiederfinden. Wie Zuckerberg schreibt: Facebook hat mit über 175 Millionen die Einwohnerzahl eines grossen Landes, und damit eine grosse Verantwortung. Ich habe den Eindruck, dass er sich dieser Verantwortung bewusst ist und sie wahrnehmen will.

Facebook hat mit ihren TOS eigentlich lediglich das getan, was ohne Ausnahme alle Betreiber eines Social Network oder einer virtuellen Welt tun. Sie bestimmen die Bedingungen selber, und sie ändern sie unilateral. Und sie formulieren sie zu Beginn immer so, dass vor allem ihre eigenen Interessen und Angriffsflächen abgesichert sind.
Wenn die Nutzer sich dann auf diesen Dienst einlassen und in ihrem Alltag einbauen, erwarten sie irgendwann Mitspracherecht; unilaterales und defensives Vorgehen wird nicht mehr akzeptiert. Das zeigt die aktuelle Diskussion, und das hat man bei Facebook sehr wohl begriffen.

In diesem Licht muss man Facebook als fortgeschritten bezeichnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Betreibern (die aber nicht im Fokus der Medien stehen) haben die Facebook-Leute diese Problemfelder erkannt und bemühen sich, Lösungen für ein sehr komplexes Problem zu finden. Jetzt Facebook als böse und gefährlich hinzustellen, zeigt nur, wie wenig man diese Fragen wirklich verstanden hat.

Wir erhalten hier die Gelegenheit, die Datenschutz-Problematik in aller Komplexität zu diskutieren und sogar aktiv an einer Lösung mitzuarbeiten. Und zugegeben: diese Möglichkeit ist dank dem jetzt aufgebauten Druck entstanden. Trotzdem: Wer einfach auf Panik macht und die Leute mit Alarm-Schlagzeilen veräppelt, führt sie mehr hinters Licht als das Facebook jemals getan hat.

Hilfreich wäre es stattdessen, sich mal hinzusetzen, nachzudenken und die vielen Einstellungen anzuschauen, die Facebook heute schon bietet, um Datenschutz-Fragen Rechnung zu tragen.
Eine tolle Zusammenstellung mit Tipps ist hier: 10 Privacy Settings Every Facebook User Should Know
Wenn man diese Tipps befolgt, hat man sich so ziemlich gegen jede unangenehme Situation abgesichert und kann den Dienst trotzdem nutzen.

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Guido Berger says...


Lindsay Lohan wurde aus Facebook ausgesperrt. Schreibt sie jedenfalls auf MySpace. Das trifft die junge Dame schwer:

"wow! i was in shock. [...] it was disabled because they believe that i was a fake of myself. genius. here i am loving facebook (as well as myspace-hehe) but going on facebook to talk to some of my friends and they are thinking that I AM THE "FAKE" OF MYSELF!!! hahahahahaha.. at first i laughed, and then i got angry. angry because, with ALL the people that PRETEND to be me on facebook, they decide to say I AM THE FAKE- of myself. all i can think is, WHO is running this site?"

Lohan scheint ausserdem zu den zahlreichen Kritikern des neuen Facebook-Layouts zu gehören:

"here they are re-designing the look on the site when they should be setting up a more secure way of allowing people to set up an account."

Und wie es sich für selbstbewusste Frauen gehört, weiss LiLo genau, was sie will:

"maybe i am just venting, but i am also writing this blog in hopes that the people at facebook will un-disable my account and allow me to sign in the EXACT same way it was, same friends, same emails, same "pets" and so on.."

Upset with Facebook (Lindsay Lohan, MySpace)

Nur wenig später zeigt Facebook bei mir plötzlich nichts mehr an, nur noch das hier:

Klar, wenn die Lohan hässig ist, würde ich auch gleich alle Server runterfahren und schauen, dass ihre Pets wieder EXAKT so sind WIE VORHER!



Update:

Dass Facebook down ist, hat vielleicht eher etwas damit zu tun:

Filed under: Soziale Netzwerke

Guido Berger says...

Ich bin reger Facebook-Benutzer. Viele meiner Freunde sind auf Facebook (mehr als bei jedem anderen Social Network). Umgekehrt kenne ich aber auch viele, die Facebook gar nichts abgewinnen können. Die stellen alle die gleiche Frage: "Wozu soll das gut sein?"


Bis jetzt habe ich mich immer mit einer Antwort schwer getan. An einer Party ist mir kürzlich endlich eine gute Antwort eingefallen.


Das soziale Netzwerk ist wie ein kleines Dorf. In einem kleinen Dorf wissen alle, was die anderen gerade so machen. Man sieht, wann der Nachbar heimkommt, weil das Licht angeht, und man hört es rumpeln, wenn er Holz hackt für den Winter.

Genau das gleiche wird in den Neuigkeiten bei Facebook sichtbar. Meine Freunde setzen ihren Status, kommentieren, posten Fotos. Damit weiss ich zwar noch nicht genau, was sie denken und empfinden - dafür treffe ich sie persönlich. Aber ich bekomme sozusagen aus dem Augenwinkel mit, was gerade läuft. Einen unscharfen Blick durch das Küchenfenster auf die Häuser der Nachbarn.

Ich wohne also in einem kleinen virtuellen Dorf, mit meinen Freunden. Alle Freunde wohnen in ihrem eigenen virtuellen kleinen Dorf, und all diese Dörfer überschneiden sich. Und das ist letztlich der Zweck eines Social Network: urbane Menschen wieder näher zusammen zu bringen, in eine dörfliche Gemeinschaft. Allerdings virtuell, damit wir die Vorteile der urbanen Anonymität nicht aufgeben müssen. Im Gegensatz zum echten Dorf kann ich auf Facebook nämlich selber entscheiden, was ich preisgeben will und wann ich online bin.

Filed under: Soziale Netzwerke