an kindern ist das sehr gut zu beobachten. reagieren eltern auf das herzzerreißende "mir ist sooo langweilig" stets gleich mit einer dvd, einer fahrt in den erlebnispark oder mit einer anti-langeweile-schminke, dann ist zwar zuerst einmal die ersehnte ruhe im karton. aber auf dauer erzieht man sich so nicht nur einen handfesten nervbolzen heran, der die edle errungenschaft der geduld nicht kennt. sondern gibt dem kind auch weder zeit noch die chance, aktiv und aus sich selbst heraus den unangenehmen gemütszustand zu verändern, nämlich zu erforschen, sich zu überlegen, wonach ihm denn jetzt eigentlich wirklich ist. eine quälende suche - wohl wahr. aber ohne diesen kampf mit der langeweile gibt es keine echte kreativität und nie das großartige erlebnis, etwas zu erfinden, etwas in mir selbst zu entdecken, was mich wirklich fasziniert. das gilt nicht nur für kinder. ...denn in der langeweile liegt ein schatz vergraben, ein schatz, den wir nie entdecken werden, wenn wir sie blitzartig und geschäftsmäßig wegdrücken - was übrigens schon friedrich nietzsche wusste: "man erntet als lohn für vielen überdruss, missmut, langeweile (...) jene viertelstunden tiefster einkehr in sich und die natur. wer sich völlig gegen die langeweile verschanzt, verschanzt sich auch gegen sich selber: den kräftigsten labetrunk aus dem eigenen innersten born wird er nie zu trinken bekommen."
karl-heinz farni in "emotion" april 2009