Gibt es Ihre Sachen auch auf Kindle? Tja, diese Frage hätte ich auf der Buch Wien lieber nicht gestellt. Eine Antwort, die "Ja, natürlich!" gelautet hätte, war nämlich nicht zu ernten auf dieser zweiten, verbesserten Auflage der Verlegershow @ RX Messegelände Wien. Nach einer Begriffsklärung (durch Gegenfragen wie "Wie bitte?" / "Was?" / "Auf was?" oder "Was meinen Sie?" und Präzisierung der Anfrage durch Hinzufügung des Markennamens Amazon) kam in neun von zehn Fällen dann ein bescheidenes "Nein" heraus. Der zehnte Verlag meinte: "teilweise". Welchen Teil ich auf Kindle haben könnte, hat er mir trotzdem verschwiegen.
Die Verlage übrigens waren die großen Namen aus dem deutschen Sprachraum, von dtv bis Suhrkamp, von styria bis Residenz. (Das Ergebnis für Kleinverlage war vorhersehbar identisch.)
Kommerzliteratur versucht es zwar seit einiger Zeit mit der Textwiedergabe per Ohrstöpseln und stellt Audiobücher neben ihre 1000-Seiten-Thriller; bei der elektronischen Druckerschwärze (e-ink) ist das Angebot aber eher rar. Dan Browns verlorenes Symbol scheint nur herkömmliche Leser anzusprechen, Stephen Kings Qual war hingegen auf dem Reader zu erspähen und blätterte sich wunderbar um, zumindest per Stift am Touchscreen (endlich – der ist dafür weniger "crispy" als früher, sondern eher ein bisschen "blurred").
Kindle ist mir überhaupt auf der ganzen Messe keines begegnet, und die Sony Reader waren praktisch auch nur am Sony-Stand zu finden – mit einer Ausnahme: im Handtäschchen einer deutschen Lektorin. Sie brachte mir bei, wie der kleine Reader (12 cm breit, 6-Zoll-Diagonale, verblüffend dünn und leicht, Kommentier- und Exportfunktion, jetzt mit Stift-Touchscreen, 300 Euro, demnächst auch in Rot) ihr professionelles Leben erleichtert: Das Ding fasst nämlich beliebig viele Manuskriptseiten, die ihr bisher als kiloschwerer Laserausdruck übermittelt worden waren. Akku aufladen: alle 7000 Seiten...
Parallel zur Buch Wien war in der Nachbarhalle auch noch die Interpädagogica, die Tradeshow für Professionals aus dem Bildungsbereich. Bei den gezeigten Produkten taten mir die Schüler leid. Die Interfaces der digitalen Tafeln waren durch die Bank voller Schrott. Wenn das wirklich aus dem Bildungsbudget angekauft wird, sollte Transparency International hellhörig werden. Die digital divide und die media literacy gap Probleme werden mit derartiger Steinzeit-Software nämlich bestimmt nicht gelöst. (h.e.)
@Sony-PMs: Habts ihr vielleicht ein Dauertestgerät vom PRS-600 für uns?